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Segelfliegen

E-Glide Bericht

Dieses Jahr fand die zweite Auflage des E-Glide Grand Prix in Großrückerswalde im Erzgebirge statt. Anders als bei einem normalen Wettbewerb wird die Benutzung des (Elektro-)Motors nicht mit einer Außenlandung gleichgesetzt, sondern als zusätzliches taktisches Mittel genutzt.

Teilnehmen durften Flugzeuge mit Elektromotor, wobei es egal war ob der Antrieb als FES (Front Electrical Sustainer) oder Klapptriebwerk verbaut war. Klasse und Spannweite waren beliebig, was dazu führte, dass Flugzeuge von Index 94 bis 121 vertreten waren.

Bezüglich der Regeln stellt der E-Glide eine Mischung aus Tour de France und der normalen Segelflug-Grand-Prix Wertung dar.

Wie bei den bisher durchgeführten Segelflug-Grand Prix gibt es kein Startfenster, sondern die Startlinie muss sobald wie möglich nach Öffnung überquert werden. Ein Index-Malus ist im Normalfall nicht vorgesehen, da im Grand Prix in der Regel mit Flugzeugen einer einzigen Klasse geflogen wird. Statt sich am klassischen Wettbewerb zu orientieren und die erreichte Geschwindigkeit am Ende mit dem Index der Flugzeuge zu verrechnen, liegt beim E-Glide der Fokus auf der Nachverfolgbarkeit durch Zuschauer. Daher entschied man sich dafür, den Index im Vorhinein in die Aufgabendistanz einzurechnen. So musste beispielsweise die Antares als Flugzeug mit einem Index von 121 immer bis zum Mittelpunkt der Wendesektoren fliegen, während die Apis Silent schon 20km vorher wenden durfte.

Das Bewertungssystem ähnelt wohl am ehesten dem der Tour de France, bei der nicht in Punkten, sondern in “verlorener Zeit auf den Ersten” gerechnet wird.

Während der Aufgabe dürfen 2 KWh Energie aus dem Akku nutzen, was - je nach Flugzeug - etwa 40-60km Reichweite im Horizontalflug oder 500-1000m Höhe entspricht.

Der Wettbewerb

Veranstaltet wurde der diesjährige Wettbewerb vom FC Großrückerswalde unter Anleitung des Sportleiters Markus Uhlig. In Vorbereitung auf den Wettbewerb wurde der ganze Flugplatz gewalzt und sogar eine extra lange Startbahn angelegt!

Die meisten Teilnehmer waren das erste Mal bei einem E-Glide-Wettbewerb dabei. Viele waren mit für sie unbekannten (geliehenen) Flugzeugen angereist.

Schlecht besetzt war das Feld mit mehreren Weltmeistern, deutschen Meistern und internationalen Teilnehmern wirklich nicht und so war ich gespannt, ob ich mit den anderen mithalten können würde.

Direkt nach dem Eintreffen auf dem Flugplatz - zwei Tage vor dem ersten Wettbewerbstag - begegneten wir mehreren Filmteams der lokalen Sender, welche  den Sportleiter und einige Piloten interviewten. Schnell ließ ich mich überreden, auch noch einen Start zu machen, um zusammen mit einem Ventus 3 noch ein paar Fotos im Sonnenuntergang zu machen.


Angesichts der Wettervorhersage hätte man sich bei einem “normalen” Wettbewerb wohl darauf einstellen können, zwar an den meisten Tagen aufzurüsten, aber an den wenigsten zu fliegen.

Weit gefehlt - lediglich am Montag und Dienstag musste neutralisiert werden. Bei Letzterem auch nicht, weil die Aufgabe unfliegbar gewesen wäre (einige sind sie geflogen), sondern weil die Basishöhen mit meist weniger als 400 Metern AGL ein zu hohes Vertrauen in den Antrieb vorausgesetzt hätten.

Direkt am ersten Wertungstag wurde klar, dass diese Wettbewerbsform etwas ganz anderes als das bisher Gewohnte ist. Beispielsweise ergibt es beim E-Glide überhaupt keinen Sinn, sich an einem Flugzeug zu orientieren, welches einem unterwegs begegnet.

Beim Kurbeln kann es durchaus Sinn machen mit Motorunterstützung das Steigen von 0,5 m/s auf 1,5 m/s anzuheben, ohne dass das jemand aus einem anderen Flugzeug beobachten könnte. Wenn jemand eine tragende Linie zu fliegen scheint, die man selber nicht vermutet hätte, oder sehr früh zum Endanflug loslegt, so hat er vermutlich einfach noch ein bisschen mehr Energie über als die anderen. Der streckenbasierte Index-Malus funktionierte super und so konnte man die Silent zwar direkt nach dem Start hinter sich lassen, begegnete ihr aber dennoch unterwegs öfter. Am Ende konnten sich die leichteren Flugzeuge mit deutlichem Vorsprung durchsetzen, aber Luka Žnidaršič (der Erfinder des FES) erkämpfte sich auch mit seinem “schweren” Ventus 3 den 3. Platz. In Zukunft wäre sicherlich ein zusätzlicher Gewichtsindex sinnvoll, um die unterschiedliche Effizienz zu kompensieren.

Je nach Wetterlage musste während des Wettbewerbs die Strategie des Motoreinsatzes geändert werden, da die Benutzung des FES nur im Geschwindigkeitsbereich von ca. 95 - 110 km/h effizient ist. An besonders langsamen Tagen ist es ratsam, den Motor möglichst im Geradeausflug zu verwenden, während dieses Vorgehen an einem besonders schnellen Tag mit hohen Vorfluggeschwindigkeiten nur bremst. So möchte man den Motor bei guten Wetterbdingungen eher beim Kurbeln oder Schwabbeln verwenden, um zu verhindern, zu tief zu kommen.

Insgesamt sind wir an 7 von 8 möglichen Tagen geflogen, eine Wertung gab es an 6 Tagen. Ohne ”E” wären es wohl höchstens 1-2 Flugtage gewesen.

Neben dem Fliegerischen war der Wettbewerb insgesamt super organisiert und durch die kurzen Aufgaben gab es viel Zeit, sich mit den anderen Piloten und Helfern auszutauschen.

Mir hat diese Art des Wettbewerbs extrem viel Spaß gemacht und ich freue mich auf die nächsten (E-Glide-)Wettbewerbe!

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