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Segelfliegen im Paradies

Als ich im März 2020 als Sportsoldat der Bundeswehr zum ersten Mal nach Südfrankreich fuhr, war mir nicht klar, was für eine tolle Zeit ich erleben würde. Jahrelang hatte ich den Geschichten von Vereinskameraden und Fliegerfreunden gelauscht und mir gedacht „Ja - das will ich auch mal erleben“.

Flüge zum Mont Blanc, zum Matterhorn oder einfach nur den Parcours im Geradeausflug zu durchfliegen.

Die Chance, die Bergfliegerei von erfahrenen Trainern (mit hunderten, teilweise tausenden Flugstunden in den Seealpen) nahe gebracht zu bekommen, war der perfekte Einstieg in ein für mich bis dahin komplett unbekanntes Fluggebiet. Die Tatsache, dass man in Südfrankreich das Ergebnis nicht zwingend hinter das Erlebnis stellen muss, macht diesen Ort  für mich so einzigartig. Regelmäßig große Flüge, verbunden mit atemberaubenden Ausblicken auf die schönsten Berge der Alpen.

Lac de Saint Croix, nahe Puimoisson, in der Abendsonne

Vor allem aber schult das Fliegen mit Trainern im Doppelsitzer den Weitblick und eröffnet Möglichkeiten, welche man im Einsitzer als blutiger Anfänger in den Bergen sicherlich nicht so einfach kennenlernen würde. Beispielhaft für das was in dieser Hinsicht möglich ist, sind zwei Flüge, welche ich im Frühjahr 2021 von Puimoisson aus machen konnte.

Die Wettervorhersage am 31. März war sehr gut bis weit in den Norden. Hohe Basis von fast 4000m und etwa 1/8 bis 2/8 Wolken mit knackigen Steigwerten waren prognostiziert.

Zusammen mit Uli Gmelin, der ein enormes Maß an Erfahrung und Wissen über das Fluggebiet in Südfrankreich hat, war der Plan, so weit wie möglich nach Norden zu fliegen. Wir starteten um 12 Uhr lokal und machten uns auf den Weg nach Norden in den Parcours. Am Horizont waren schon kleine Wolken zu sehen, welche mit ihrer extrem hohen Basis unsere Vorfreude auf einen tollen Tag mehr und mehr steigerten.

Nachdem wir den Weg bis an den Rand des Modane-Tals gemeistert hatten hieß es nochmals Höhe tanken bevor wir den Sprung nach Norden durch den Korridor der Vanoise wagten. Die Höhe von fast 4000m MSL brauchten wir dann auch. Der weitere Weg über das Gebiet des Dent Parrachée, den Trois-Vallés und La Plagne bis zum  kleinen St. Bernhard-Pass war noch von so viel Schnee geprägt, dass an Thermik nicht zu denken war. Uli mit seiner Erfahrung half mir an den wichtigen Stellen, vor allem nach der Passquerung, die nötige Geduld aufzubringen um wieder auf die richtige Höhe zu kommen um ordentlich Richtung Valpeline-Tal weiter fliegen zu können.

Und dann waren wir auch schon fast da. Von der Nordseite des Valpeline-Tales wechselten wir noch auf die Südseite und flogen dann direkt an das Matterhorn ran. Für mich ein unglaublicher Moment diesen Berg, von dem so viele schon in den höchsten Tönen gesprochen haben, nun tatsächlich mit dem Segelflugzeug erreicht zu haben. Im Einsitzer ohne Trainer wäre dies für mich schlichtweg nicht möglich gewesen.

Matterhorn von der Nordwestseite

Einen Tag später brach ich zusammen mit Christine Grote, ebenfalls im Arcus, zu einem weiteren Flug in den Norden auf. Ziel war, das am Vortag gelernte, dieses mal ohne einen derart erfahrenen Gebirgsflugpiloten auf dem Rücksitz, mit eigenen Entscheidungen zu wiederholen. Der Start durch den Parcours, klassisch über den Col d´Allos lief von Beginn an wie die Feuerwehr.

Ein Hammerbart nach dem anderen zeichnete unseren Weg bis hin zum Kleinen-St. Bernard-Pass aus.

Dort waren wir dann in der gleichen Höhe wie am Vortag, sodass ich das anwenden konnte, was mir tags zuvor gelehrt worden war. Nämlich „einen Gang runterschalten und Geduld aufbringen“, so, wie Uli es mir an dieser Stelle geraten und gezeigt hatte. Dadurch kamen wir, zuerst langsam aber sicher wieder höher,  konnten dann aber mit einem guten Bart wieder bis auf fast 3800m steigen. Das Valpeline-Tal zeigte sich an diesem Tag dann wohl von seiner besten Seite. Die Basis stieg nochmals etwas an, auf 4000m. Wir flogen das Tal entlang bis kurz vors Matterhorn. Ein unglaublicher Anblick aufs Neue, dieses Mal von der anderen Seite. Vom vorausfliegenden Tom Wetzel wussten wir, dass die Bedingungen im Mattertal ebenfalls gut waren.

Kurzerhand entschieden Chrissi und ich am Matterhorn noch vorbei zu fliegen, um am Ende des Valpeline-Tales über den Pass zu springen. Direkt über dem wunderschön gelegenen Ort Zermatt flogen wir den über 4.500m hohen Dom an. Nachdem wir dem Dom etwas nach Norden gefolgt waren wendeten wir und flogen zuerst über den gleichen Weg wieder zurück, später dann aber durchs Gran Paradiso über Grivola und Col du Carro. Am Abend standen fast 800km in WeGlide.

Für mich der eindruckvollste Flug, den ich jemals gemacht hatte. Was ich an diesem Tag an Eindrücken gewonnen habe kann man fast nicht in Worte fassen und ich bin unfassbar dankbar dafür das erlebt haben zu dürfen! Die Möglichkeit als Junior, von hoch erfahrenen Trainern betreut, zwei Arcen für solche Abenteuer nutzen zu können ist phänomenal. Ein riesen Dankeschön an dieser Stelle.

Landung zum Sonnenuntergang in Puimoisson

Das Fliegen in Südfrankreich ist wirklich einmalig und ich kann nur jedem empfehlen das einmal auszuprobieren. Ich verspreche: man wird es definitiv nicht bereuen!

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